Ein vertrackter, spannender Thriller mit einem etwas enttäuschenden Ende
Von: Eschenbuch Datum: 12.07.2026
Inhalt: Kurz nach einem großen Interview wird der erfolgreiche True Crime-Podcaster Martin Kilian festgenommen. Der Vorwurf: Er soll die Wiener Chirurgin Aleyna Al-Rashid ermordet haben, die er für den Tod seiner Tochter verantwortlich machte. Obwohl mehrere Indizien gegen ihn sprechen, beteuert er seine Unschuld und sieht sich als Opfer eines Komplotts. Verzweifelt wendet er sich an die Anwältin Evelyn Meyers, die, gemeinsam mit dem Dresdner Kommissar Walter Pulaski, versucht, Licht ins Dunkel zu bringen…
Persönliche Meinung: “Rachefrühling” ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es handelt sich um den vierten und abschließenden Teil der “Rache”-Tetralogie. Der Fall ist in sich abgeschlossen, sodass man ihn auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesen kann; für ein besseres Verständnis der Figurenbeziehungen ist aber natürlich ein chronologisches Lesen sinnvoll. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven, wobei aber Evelyn und Walter die Hauptperspektiven bilden. Die Handlung beginnt schön vertrackt: Es gibt mehrere potentielle Täter - neben Martin Kilian den Professor Geert Niemeyer (der ähnlich wie Kilian die Verantwortung für den Tod einer nahestehenden Person bei Aleyna Al-Rashid sieht) sowie die Familie von Al-Rashid, vor der diese als junge Erwachsene geflohen ist. Eine besondere Brisanz entsteht dadurch, dass sowohl Kilian als auch Niemeyer ihre Unschuld beteuern und sich teilweise gegenseitig beschuldigen, sodass man als Lesender nie genau weiß, wem man vertrauen kann und wem nicht. Für weitere Spannungsmomente sorgen die Ermittlungen von Evelyn und Walter: Schritt für Schritt kommen sie des Rätsels Lösung näher, doch lange sind auch die Ermittlungsergebnisse in Bezug auf die Täteridentität ambivalent. Insgesamt ist “Rachefrühling” in dieser Hinsicht ein wirklich raffiniert konstruierter, spannender Thriller. Leider hat mich die Auflösung des Falls allerdings nicht derart überzeugt: Zwar liefert Gruber eine sehr emotionale Hintergrundgeschichte des Mordfalls, allerdings ähnelt die Auflösung des Falls einem Muster, das bereits in anderen Bänden der Reihe genutzt wurde (entschuldigt hier bitte meine Vagheit; ich will nicht zu viel spoilern). Der Schreibstil von Andreas Gruber ist gewohnt anschaulich und flüssig, sodass sich die knapp 600 Seiten des Thrillers nicht als solche anfühlen. On a side note: Für Fans von Andreas Gruber sind in der Handlung zwei Easter Eggs “versteckt”, die auf andere Reihen des Autors verweisen. Insgesamt ist “Rachefrühling” ein spannender, vertrackter Thriller, dessen Auflösung mich allerdings zu sehr an bekannte Muster erinnerte.